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Wovor ihr Angst habt

Die Bereitschaft, Regeln zu brechen ist überall im Lande und quer durch die Gesellschaft zu erkennen. Demonstranten halten sich nicht an Verfügungen von Verwaltungsgerichten, große Unternehmen unterlaufen wie selbstverständlich Steuergesetze, selbst der einst höchste Mann im Staat wusste sich nicht zu benehmen. Mit der Verstärkung von Polizeieinheiten (in Stadien) oder mit einer härteren Bestrafung lässt sich dagegen auf Dauer nicht ankämpfen.

Denn die Verrohung der Sitten sind das Ergebnis einer Entwicklung, die Lehrer schon seit Jahren beobachten, Unterrichtsstörungen, groteske Beleidigungen, ja Bedrohungen. Wer das ändern will, muss bei den Kleinsten anfangen, mit der Anerkennung von Grundwerten in der Familie. Im Stadion ist es zu spät. (FAZ.net)

Es wurde einiges geschrieben über diese Art der Sensationsgier und Betroffenheit, der sich nun allerorts Journalist_innen, Funktionäre, Politiker_innen, etc. hingeben. Eifrig wird von anderen, von Journalist_innen, Fußballfans, auf Blogs und in Foren eine andere Sicht der Dinge, eine Gegenrealität aufgezeigt. Gerne auch ergänzt um den Passus, man fände Gewalt ja auch schlecht, aber im Falle Düsseldorf hätte es kaum welche oder keine gegeben. Vieles dieser Gegendarstellungen ist richtig. Gerne wird in diesem Zusammenhang die “Hysterie” der Berichterstattung angeprangert, was nebenbei bemerkt aus emanzipatorischer Perspektive auch nicht gerade ein Begriff ist, der frei von männlich-dominanter Projektion ist, handelt es sich dabei doch um eine vermeintliche “Frauenkrankheit”. Was aber, trotz der fragwürdigen Bennennung richtig analyisiert ist, ist, dass es tatsächlich eine gewisse Unsicherheit und Angst seitens einiger Akteure gibt, die sich dieses Themas angenommen haben.

Und wann endlich kommen die Leute mal wieder auf den Teppich und hören auf so einen Stuss in euren Blättern und Internetseiten zu schreiben, weil es höhere Klickzahlen gibt oder verkaufsfördernd sein kann? (MagischerFC.de)

Der Gegendarstellungen, die sich bemühen die Debatte zu objektivieren, sind es mittlerweile genug. Es gilt nun, den Finger in die Wunde zu legen, die ein euphorischer Ausbruch scheinbar aufzureißen imstande ist. Der Profifußball ist ein interessantes gesellschaftliches Feld, dessen Wandel, nicht lediglich aus repressiv-verdrängender Perspektive zu betrachten ist, wie ich vor einigen Wochen bereits anmerkte, als ich mich auf das Feld der Machtanalyse wagte. Es ist dabei nicht nur so, dass delinquente Milieus produziert werden, die der Normalisierung der Massen zuträglich sind. Mit einer Verdrängung proletarischer Schichten durch besser situierte Menschen oder dem Wandel kritisch-studentischer Milieus zu geradezu bourgeoisesker Bildungsbürgerlichkeit (Stichwort Gentrification) eröffnen sich neue gesellschaftliche Felder. Die Zuschauerstruktur, die wir derzeit in deutschen Stadien finden, ist Schaubild eines gesellschaftlichen Prozesses, der immer mehr Orte des sozialen Lebens kommerzialisiert und jene, vom Verwertungsmechanismus ausgeschlossenen, weil sozial und finanziell abgehängten, außen vor lässt.

Dieser Prozess ist aber bei weitem nicht abgeschlossen und noch-heute-proletarische Milieus, wie auch eine neue Unterschicht respektive deren Nachwuchs bevölkern nach wie vor die Stadien. Dort treffen sie zusammen mit neureichen Kids der bürgerlichen Mitte, die ihrerseits ihre Auseinandersetzungen mit der bestehenden Herrschaftsordnung suchen, sei es, weil sie politisierte Jugendliche mit Bildungsprivilegien sind, sei es, weil ihnen die komplette Schullaufbahn vorgekaut wird, dass sie schon mit einem durchschnittlichen Abitur “nichts Anständiges” mehr werden oder sei es durch anderwaltig hervorgerufene Desillusion oder Erschöpfung. Frust-förderndes Potential gibt es für die jetzt-junge Generation zu genüge.

Die Zusammenkunft dieser unterschiedlich sozialisierten und privilegierten Jugendlichen, gerne unter dem Terminus “Ultras” per Selbst- oder Fremdbezeichnung gekennzeichnet, ist Kern der Angst der Betroffenheitsjournalist_innen und ihrer geistigen Verwandeten. Selbst radikallinke Positionen können von jenen Menschen geduldet, ja beinahe gutgeheißen werden, solange diese klar von Gewalt distanziert und möglichst in Akademikersprech bildungsfernen Schichten strukturell unzugänglich im Feuilleton positioniert und diskutiert werden. Die Angst derer, die den Untergang des Abendlandes herbeifabulieren und dabei mit einer Geschichtsverdrossenheit alle Umstände menschlicher Vernunft ignorieren, ist, dass sich nicht distanziert wird. All die Forderungen klarer Distanzierungen, all die Forderungen nach Denunziation sind Ausdruck eines von oben oktruierten Klassenkampfes, dessen klare Trennung zwischen einzelnen sozialen Schichten im Kapitalismus zu verschwimmen drohen.

Es heißt, ein Fußballstadion sei ein Spiegel der Gesellschaft. Das kann stimmen. Aber, obwohl durch Logen und teure Sitzplätze eine Segregation unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten stattfindet, kommen in den Stehplatzkurven noch immer Menschen aller sozialer Herkünfte zusammen. In der Kurve gibt es diese jedoch nicht, im übertragenen Sinne stimmt hier das Bild des Bankers neben dem Punker. In der Kurve stehen Studierende neben Handwerker_innen und Arbeitslosen. Daher sind die vielfältigen Ereignisse in Fußballstadien einerseits Ausdruck eines gesellschaftlichen Zustandes, der große Unsicherheit birgt. Andererseits sind sie auch Ausdruck eines Potentials, dass eigentlich schon in den Stadien unerwünscht ist, “auf der Straße” aber noch viel “schlimmer” wäre.

So lange sich aber die Protagonisten in politischen Differenzen (zurecht) aufreiben, so lange beispielsweise ein “Prekariats-Sexismus” dazu genügt, dass sich Fans untereinander abgrenzen, so lange sich immer wieder darauf berufen wird, man habe ja ein Gewaltproblem, aber mit Populismus sei dem Problem nicht beizukommen, so lange man sich also Auseinandersetzungen diktieren lässt, funktionieren die Fingerzeige und es braucht keine Angst. Die Delinquenten dienen gewohnt der Macht des Normativen.

Bei Ereignissen, wie dem in Düsseldorf, wo die Trennlinie zwischen vermeintlichen “Chaoten” und “friedlichen Fans” verschwimmt, droht sich die Macht des Normativen ins Gegenteil zu verkehren. Von der Warte ist die Betroffenheit zu begreifen. Wir tun also gut daran uns eben nicht zu distanzieren, uns nicht Probleme diktieren zu lassen, sondern uns zu solidarisieren. Dann haben nicht mehr wir ein Problem, sondern “die” und dann können wir eventuell auch die Debatte um den “Kampf gegen den modernen Fußball” in eine um den “Kampf gegen die moderne Gesellschaft”* umformulieren. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Ebenfalls lesenswert: In diese Kerbe schlug schon vor der Düsseldorf-Kiste auch “Metalust und Subdiskurse

*Im Sinne des kommerzialisierten öffentlichen Raumes und der damit verbundenen gesellschaftlichen Segregation

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Koan Neuer

Schubidu: André Schubert - Darf Cheftrainer beim FC St. Pauli bleiben

Schubidu: André Schubert - Darf Cheftrainer beim FC St. Pauli bleiben

“Na, damit habta nich’ gerechnet, wa?!” (Andre Schubert, 07.05.2012)

Nee, nicht wirklich. André Schubert nach eigener Aussage jedoch auch nicht und so wirkte er sichtlich gelöst hinter den vielen Mikrophonen auf der Pressekonferenz am heutigen Nachmittag, auf der Präsident Stefan Orth in gewohnt unsouveräner Manier den Verbleib des Cheftrainers verkündete. Zuvor war in diversen Medien kolportiert worden, es sei längst eine Entscheidung gegen den Stanislawski-Nachfolger gefallen. Die Gründe dafür lägen nicht im sportlichen Bereich, sondern auf der zwischenmenschlichen Ebene.

In der Tat funkten im Laufe der Saison diverse Details zu Schuberts Umgang mit seinen Spielern und Kollegen es aus den Büschen und das Pfeiffen diverser Spatzen auf Dächern war nicht zu überhören. Es hieß der Schubert sei ein unangenehmer Zeitgenosse, zwischen ihm und der Mannschaft stimme es nicht. Auch bei denen, die eigentlich nichts mit ihm zu tun hatten, war sein Bild nicht immer das beste. Das kann nicht so recht verwundern, schaffte er es doch sich beispielsweise in Bezug auf Fanthemen noch ungeschickter durch den Mikrophon-Dschungel zu stümpern, als sein direkter Vorgesetzter.

Moritz Lichte, Matthias Hain

Dürfen auch bleiben: Tingletangle Bob und Hain

Nur hat Schubert all das ja bereits vergangene Woche auf einer Pressekonferenz selbstkritisch eingestanden und teilweise Besserung gelobt. Die ausbleibende Positionierung der Vereinsoberen war dann das Öl im Feuer der Spekulationen um die Zukunft unseres Cheftrainers. Eigentlich darf eine Vereinsführung so etwas nicht zulassen, doch was wäre die Alternative gewesen? Offensichtlich war sich unsere Führungsetage nicht sicher über das weitere Vorgehen und es werden wieder ein mal die Probleme eines ehrenamtlichen Präsidiums deutlich. So wäre nur etwas zu sagen gewesen, wie:  „Danke für deine Darstellung, Andre. Wir sitzen ja nächste Woche zusammen, und dann werden wir schon sehen, ob wir noch Verwendung für dich haben, oder nicht.“ Dass daraus nichts besseres gemacht worden wäre, als aus dem Schweigen beim Präsidium, dürfte klar sein. Wie man es dreht und wendet, die Position Schuberts schien deutlich umstritten gewesen zu sein, auf Seiten der Vereinsführung war man sich nicht einig und die Presse lag mit ihren Mutmaßungen (oder Informationen) so falsch nicht. Am Ende kam es eben doch anders, was ja durchaus bemerkenswert ist und in gewisser Weise auch für den FC St. Pauli spricht, nur wirklich gut aussehend geht aus diesem Kammerspiel keiner der Akteure.

Helmut Schulte

Kein besserer Mensch: Helmut Schulte

Offen bleibt die Frage, wer intern welche Rolle gespielt hat. Rollo Fuhrmann schien in Helmut Schulte einen bedeutsamen Protagonisten gefunden haben zu wollen. Er fragte auf der Pressekonferenz mehrfach nach dem im Vorfeld angekündigten aber letztlich nicht anwesenden Sportchef. Die Informationen, die er diesbezüglich bekam, waren jedoch relativ dünn. Es sei ein Fehler von Christian Bönig gewesen hieß es. Außerdem ließ Orth durchschimmern, dass es auch mit Schulte noch ein Analysegespräch geben soll. Das nun bietet Raum für Spekulationen, stand doch Schulte schon vor gut einem Jahr erheblich in der Kritik, wegen zwischenmenschlichen Faktoren.

Einige verfallen jetzt in nahezu verschwörungsideologische Theorien über Machtspiele und kommen zu Konstruktionen, in denen Stefan Orth Richter über einen fiesen Streit zwischen Schulte und Schubert war und mit dem Verbleib Schuberts und dem angekündigten Gesprächs zwischen dem Präsidium und dem Sportchef ein deutliches Zeichen gegen Helmut Schulte gesprochen haben solle. Andere wiederum behaupten Schulte sei einer der wenigen Fürsprecher Schuberts im Verein gewesen. Unlogisch scheint das nicht, Kritik an mangelnden sozialen Fertigkeiten und am Führungsstil Schuberts stünde Schulte nun wirklich nicht gut zu Gesicht, wo das ja alles andere als seine persönlichen Eigenschafts-Steckenpferde zu sein scheinen.

Doch auch wenn derartige Überlegungen:

Nur wenn man den beiden wichtigsten Figuren des sportlichen Bereichs innerhalb von einem Jahr teilweise massive zwischenmenschliche Mängel attestiert, aber gleichzeitig ständig deren fachliche Kompetenz betont, sollte man sich vielleicht überlegen, ob man sich zwei solcher Softskill-Baustellen langfristig erlauben kann. (User „Grande Jano“ im Forum)

alles andere als unzulässig sind, und nach den letzten Tagen und besonders der heutigen Pressekonferenz beide Positionen gewissermaßen angekratzt sind, halte ich es für überhaupt nicht zielführend, nun, da der Trainer bleibt, eine andere Kündigung zu erhoffen, zu erwarten oder gar zu fordern. Ich gehe davon aus, dass wir mit unserem Funktionsteam so in die nächste Saison starten.

Eine ruhige Sommerpause wird es wohl trotzdem nicht geben, aber das sind andere Baustellen.

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Keine Buchung ohne Beleg

Die Saison ist für den FC St. Pauli mit dem heutigen Unentschieden zwischen Düsseldorf und Duisburg trotz des eigenen 5:0 Kantersieges gegen Paderborn zu Ende gegangen. Es gibt für uns dieses Jahr keine Verlängerung, keine Relegation, keinen zusätzlichen Nervenkitzel. Das Geld auf unseren Konten, darf in die Spendentöpfe und über den Tresen beim Antira-Turnier an der Kollaustraße wandern, anstatt in eine Tour nach Berlin investiert werden zu müssen.

Sitze auf der Gegengerade

Foto zur Verfügung gestellt vom spanier

Damit war das Spiel auch das letzte Spiel der altehrwürdigen Gegengerade, jenem Gebilde, für das wir seit Jahren nur mit Zudrücken aller möglichen Augen die Ligalizenz erhalten. Jenem Gebilde aber auch, das Heimat der „alternativen Fankultur“ am Millerntor und Geburtsort des „Roars“ war. Ergo ein mit unendlich pathetischen Worten zu umschreibendes Stück Fußballgeschichte: maßlos romantisierter Purismus und Produkt steter Improvisation. Es ist nicht ganz unverständlich, dass vielen altlinken Sozialpädagogen oder diffus kritischen Finanzbeamten und allen anderen merkwürdigen Wesen, die sich auf den gewölbten Stufen (oder was solche mal waren) der Gegengerade herumtreiben, die mitgealterte Heimat so sehr ans Herz gewachsen ist, dass sie ein Stück dessen in ihr persönliches Fankulturantiquariat zu überführen suchen, bevor der architektonische „format c:“-Befehl unseres Hausmeisters Baucheckers Thorsten Vierkant all die materialisierten Erinnerungen an Heimsiege, Niederlagen und vor allem jede Menge Regen in Staub, Schutt, Trümmern und Containern verschwinden lässt und unser Millerntor noch mehr Hellmich Standardbau mit Backsteinbordüre wird und dem Charme der Paderborner  Stadtsparkasse bedenklich nahe zu kommen droht. Ja das ist durchaus verständlich – wir kennen so etwas unter dem Terminus „ideelle Werte“.

Sitze auf der Gegengeraden

Foto zur Verfügung gestellt vom spanier

Doof nur, wenn die Rechnung ohne unsere revolutionären Garden gemäßigt sozialdemokratische Führungsriege gemacht, bzw gar nicht gar nicht gerechnet wird. Ganz die Betriebswirte der Paderborner Stadtsparkasse, kam den gewählten und/oder angestellten Vereinspeople wohl jener Satz aus Buchführung I an Berufsbildenden Schulen in die Fontanelle geschossen: „Keine Buchung ohne Beleg“ – Ergo Rechnung machen: grob 2.000 Sitze mal grob 20 Euro ist gleich grob 40.000 Euro und das ist wiederum besser als 0 Euro. Bei Verkauf aller Sessel. Sonst halt weniger. Die gehen dann auf den Müll. Soweit so logisch. Kurze Mitteilung auf die Homepage, wo sie gaaaanz bestimmt nicht in der Flut der unzähligen nutzlosen Meldungen untergeht (erinnert sich noch wer an die Zeiten, als auf der Homepage tagelang nichts passierte?) und der Drops ist gelutscht.

Damit wären beide Seiten weitestgehend beleuchtet und die Ausgangssituation ist klar. Was passiert ist folgendes: Ein paar kaufen ganz normal Sitze für überteuertes Geld, ein paar andere haben an unserem grandios entlohntem Sicherheitspersonal wie durch Zauberhand doch Werkzeug vorbei geschmuggelt bekommen und behelfen ihrer selbst. Spätestens am Ausgang, wo die stolzen Sitzretter zum Zahlen aufgefordert werden kommt es zu Tumulten, Meinungsverschiedenheiten, Unstimmigkeiten, Verständnislosigkeit, Murren und die Welt, der FCSP, die Werte des Vereins oder Blutzuckerspiegel des Typen aus Reihe 4 geht unter. Das Ende vom Lied: „Der Fisch stinkt vom Kopf.“ Und Thorsten Vierkant sei schuld.

Was hier falsch gemacht wurde ist neben des völlig absurden Preises (wenngleich das für die Haupttribüne wohl auf ähnlichem Niveau ablief) eine völlig mangelhafte Kommunikation der Aktion. Sahnehäubchen des Fauxpas bildet jedoch der Hinweis die Erlöse seien eine Spende (sic) für Fanräume, wovon man bloß bei Fanräume e.V. wiederum überhaupt nichts wusste. Wie auch?! Aus internen Kreisen war zu erfahren, bei Vereinsvertretern hieße es im Vorfeld „die von Fanräume“ bekämen ohnehin schon genug. Fans sind eben ein teures Laster. In diesem Lichte ist die Deklaration der Fanräume-Spende nicht nur eine dreiste Lüge (zu prüfen sei, inwiefern hier arglistige Täuschung geltend gemacht werden kann), sie muss vor allem als dreiste Werbung auf Kosten des Vertrauens der eigenen Fans gewertet werden.

Gerupfte Gegengerade

Foto zur Verfügung gestellt vom spanier

Die Einnahmen aus der missratenen Aktion müss(t)en nun zuzüglich der selben Summe aus den Taschen der Verantwortlichen  an Fanräume gehen,  eine dicke Entschuldigung bei den Betroffenen ist obendrein fällig. Tatsächlich wird man jetzt kaum umhin kommen das Geld an Fanräume zu geben, ganz gleich, ob man das eigentlich nicht wollte oder sich eventuell gar kurzfristig dazu entschieden hat, das aber nicht mehr zu kommunizieren vermochte.  Letztlich bleibt der Eindruck rückständiger, verbissener, provinziell denkender Paderborner Stadtsparkassenbetriebswirte, die schlichtweg keinen blassen Schimmer von den Lebenswelten von Fußballfans haben, mit ihren diffusen Ideen jedoch versuchen jeden Groschen aus ihnen heraus zu pressen.

Die Publikative.org hat den FCSP mittlerweile zum Heiopei der Woche gekrönt. Nicht zu Unrecht – daher: Glückwunsch.

Alle anderen – eigentlich weit wichtigeren – Themen folgen hier in den nächsten Tagen.

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Einseitig außer Kraft gesetzt

An dieser Stelle ist es darüber hinaus zwingend notwendig das Präsidium unseres Vereines und alle anderen in diesen Fall involvierten Verantwortlichen ausdrücklich zu loben und ihnen zu danken. Lob und Dank gebührt ihnen für ihren Einsatz für die Fans. Es ist mehr als schön zu sehen, dass sich dieser Einsatz lohnt. Ganz offensichtlich wurde einerseits aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und hat andererseits der stete Dialog zwischen Fans und “Offiziellen” Früchte getragen.

Höchste Töne, die ich hier für unseren gewählten Vertreter übrig hatte und das berechtigterweise, hat man sich doch in der jüngeren Vergangenheit mehrfach vor seine Fans gestellt. Eine Kontinuität, die der jüngsten Stellungnahmen [1; 2] unseres Präsidiums und dem ihnen anhaftenden Konformismus wegen, gebrochen zu sein scheint.

Betrachten wir die Stellungnahmen im Kontext jener positiven Vorgeschichte, können wir die erste Stellungnahme (“Gewalt verurteilt”) getrost ignorieren. Es ist die übliche Distanzierung, die sich zwar als verkürzt und wenig Lösungsorientiert erweist, in Hinblick auf mediale Taktik aber nicht unsinnig ist. Darüber kann hinweggesehen werden. Viel interessanter ist hingegen die zweite Stellungnahme bezüglich der jüngsten Verbandsstrafen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Damen und (vor allem) Herren beim DFB die ganze links, bunt, alternativ, dagegen, etc. Kiste beim FCSP längst nicht so kultig und lustig finden, wie sie anderswo aufgenommen wird. Unser Verein scheint in deren Augen ein Fanproblem zu haben, das sich in seinem Wesen von den vermeintlichen Fanproblemen anderer Vereine nicht unterscheidet. Es wäre demnach falsch, beispielsweise zu sagen, der DFB sei auf dem rechten Auge blind oder ähnliches. Fakt ist: der DFB schert sich nicht um Fankultur, um politische Ausprägungen, usw.. Der DFB schert sich um den Fußballsport, alles andere ist weniger als sekundär. Das Urteil nach dem Becherwurf vom 01. April 2011 hat dies eindrucksvoll untermauert. In den Augen des DFB sind Fans nicht mehr als potentielle Gefahrenherde und nicht weniger als wirtschaftliche Faktoren.

Unsere Vereinsführung sieht den Stellenwert von Fußballfans dankenswerter Weise anders. So hat sie sich vor ihre Fans gestellt, als diese Opfer einer völlig von jeder Vernunft entkoppelten Polizei beim (Bullen-)Schweinske-Cup malträtiert wurden, sie hat mehrfach für Fanrechte eingestanden und geklagt (Kassenrollenurteil, Hansa) und allem Vernehmen nach wird sie auch weitere Instanzen bemühen.

Nun gibt es eine Strafe für den Schweinske-Cup. An Lächerlichkeit ist das kaum zu überbieten, denkt man sich in die DFB Logik hinein, war es aber wohl zu erwarten. Unserer Vereinsführung ist kein Vorwurf zu machen, dass sie diese Strafe nun hinnehmen. Zu widersinnig ist die Logik des DFB und eine Kosten/Nutzen Rechnung endet in diesem Fall mit roten Zahlen und kaum fanpolitischem Erfolg.

Ebenso verhält es sich mit der noch viel lächerlicheren Strafe für das Wort “Bullenschweine” in der Choreo von USP beim Spiel gegen Braunschweig. Das falle angeblich unter Beleidigung und doch ist es viel eher eine politische Meinungsäußerung, als eine Beleidigung. Und nun kommt der zu kritisierende Part:

Präsident Stefan Orth: “Auch wenn uns kein Fall aus den letzten Jahrzehnten bekannt ist, in dem ein Lizenzverein aufgrund des Verhaltens seiner Anhänger bei einem Hallenturnier bestraft wurde, haben wir dem Strafantrag zugestimmt und werden nicht wieder die Gerichte bemühen. Was den zweiten Fall betrifft, fordert der FC St. Pauli seine Fans dazu auf, künftig keine Banner mit beleidigendem oder unsportlichem Inhalt im Stadion zu verwenden.“‬‬

Orth zudem: “Wir sind es langsam leid. Eine Strafe hier, eine Strafe dort. Das läppert sich zusammen und wird von uns nicht mehr tatenlos hingenommen. Ich erwarte, dass hier ein Umdenken in einigen Bereichen des Stadions und im Umfeld einsetzt. Wenn das nicht ab sofort der Fall ist, werden wir zum Handeln gezwungen. Diese Strafen tun dem Verein verdammt weh und gehen am Ende immer zu Lasten von uns allen. Es ist ein Punkt erreicht, an dem sich alle, die den FC St. Pauli ins Herz geschlossen haben, fragen müssen, ob wir wirklich so weitermachen wollen. Wir alle zusammen haben Leitlinien für den Verein aufgestellt, die nicht nur einseitig gelebt werden und von einigen nach ihrem Ermessen außer Kraft gesetzt werden dürfen. Allen sollte bewusst sein, dass wir uns auf dem Präsentierteller befinden und jede noch so kleine Verfehlung spürbare Konsequenzen für den Verein zur Folge hat.”

Volles Verständnis dafür, es leid zu sein. Ja wir stehen im Fokus des DFB, anders sind diese jüngsten Strafen gar nicht zu erklären. Und dennoch: Falscher Adressat, falsche Konsequenz!

Was heißt denn hier beleidigend?

Es ist doch hinlänglich bekannt, dass gerade Banner, Tapeten, Spruchbänder verkürzen, verschlagworten und bisweilen gar übertreiben. Es ist auch bekannt, dass sich gerade die aktive Fanszene, was auch immer darunter genau zu verstehen ist, auf die politischen Ursprünge der Fanszene beruft. Wer eine Beleidigung in Aussagen zu (fan-)politischen Themen zu finden meint, hat die Werte des FC St. Pauli nicht verstanden. Das verstanden zu haben erwarte ich nicht vom DFB, von unserem Präsidenten hingegen schon. Gerade im Kontext der Choreo ist ein “Bullenschweine” keine Beleidigung (wie soll auch ein Kollektiv zu beleidigen sein?) sondern ein positiver Bezug zur eigenen Geschichte, ein positiver Bezug, den an anderer Stelle auch die Vermarktung des Vereins herstellt. Von Beleidigungen darf also gar keine Rede sein!

Was heißt denn hier unsportlich?

Es ist ebenso hinlänglich bekannt, dass der FC St. Pauli in der öffentlichen Wahrnehmung als mehr als bloß ein Fußballverein gilt. Der Verein inszeniert sich als ein solcher und die Fans im Stadion füllen diese Phrase mit Leben. Wenn mit unsportlich also mangelnder Sportbezug gemeint ist, dann vergiss es, Stefan, wir werden unseren Fokus weiter auch auf gesellschaftliche Felder jenseits des Fußballs richten. Aber ich bin mir beinahe sicher, dass du das nicht meinst. Wir reden hier also von sportlicher Fairness? Wir sollen als Fans mehr der Ebbers, als der Rösler sein. Das sind wir in mancher Hinsicht. Wenn wir zum Beispiel unsere eigenen Spieler nicht auspfeifen. Aber sonst? Fußball muss dreckig bleiben, heißt es. Wir sind so “sportlich” wie wir sein können und wollen, aber nicht mehr und auch nicht weniger. By the way, lieber Stefan, die bösen Hools empfinden sich und ihr Tun auch als zutiefst “sportlich”, aber so sollen wir auch nicht sein, oder?!

Was heißt denn hier Leitlinien außer Kraft setzen?

1. Der FC St. Pauli in seiner Gesamtheit aus Mitgliedern, Angestellten, Fans und Ehrenamtlichen ist Teil der ihn umgebenden Gesellschaft und somit auch mittelbar und unmittelbar von gesellschaftlichen Veränderungen in politischen, kulturellen und sozialen Bereichen betroffen.

Gesellschaftliche Veränderungen, also Prozesse, das sind Dinge wie freidrehende Cops, denen Fußballfans, besonders auf Reisen, zu genüge begegnen. “Bullenschweine” zu thematisieren ist doch Ausdruck dieses Bewusstseins. Setzt das bitte nicht einseitig außer Kraft!

2. Der FC St. Pauli stellt sich dieser gesellschaftlichen Verantwortung und tritt über den sportlichen Bereich hinaus für die Interessen seiner Mitglieder, Angestellten, Fans und Ehrenamtlichen ein.

Das hat der FC St. Pauli in der jüngeren Vergangenheit, wie oben erwähnt, in herausragender Art und Weise getan. Jetzt den Fans nahezulegen, sich in Zukunft anders zu verhalten, ist eine Farce! Setzt das bitte nicht einseitig außer Kraft!

3. Der FC St. Pauli ist ein Stadtteilverein. Hieraus zieht er seine Identifikation und hat eine soziale sowie politische Verantwortung gegenüber dem Stadtteil und den hier lebenden Menschen.

Wenn die hier lebenden Menschen, ein völlig überzogenes Gefahrengebiet im Zuge eines Spiels des FC St. Pauli vorgesetzt bekommen, dann ist es doch die soziale und politische Verantwortung der Vereinsführung dies zu skandalisieren. Setzt das bitte nicht einseitig außer Kraft!

5. Toleranz und Respekt im gegenseitigen Miteinander sind wichtige Eckpfeiler im FC St. Pauli.

Wenn Fans sich stetig intolerantem und respektlosem Verhalten (beispielsweise seitens der Staatsmacht) gegenübersieht, so ist es um so wichtiger das Skandalisieren dessen zu schützen. Setzt das bitte nicht einseitig außer Kraft!

7. Neben dem allgemein gültigen Recht bilden die Stadionordnung und die Auswärtsfahrtordnung des Fanladens die Basis, auf der sich Mitglieder, Angestellte, Fans und Ehrenamtliche des FC St. Pauli bewegen.

8. Jeder Einzelne und jede Gruppe sollte sein/ihr gegenwärtiges und künftiges Handeln ständig selbstkritisch prüfen und sich seiner/ihrer Verantwortung für andere bewusst sein. Die Vorbildfunktion gerade für Kinder und Jugendliche darf nicht in den Hintergrund geraten.

9. Es gibt keine „besseren“ oder „schlechteren“ Fans. Jeder kann sein Fansein nach eigenem Gutdünken ausleben, solange dies nicht gegen o. g. Bestimmungen verstößt.

Und da es sich eben um keine Beleidigung handelt, und da es eben keine „besseren“ oder „schlechteren“ Fans gibt, geht es nicht an Fans hier vorzuschreiben, wie sie sich zu verhalten hätten. Die Fans des FC St. Pauli müssen ihr Selbstverständnis und ihre Kultur nach ihrem Gutdünken ausleben können. Setzt das bitte nicht einseitig außer Kraft!

11. Die aktive, d. h. in erster Linie die auch am Spieltag vor Ort engagierte Fanszene bildet das Fundament für die Emotionalisierung des Fußballsports, welche wiederum die Grundlage der Vermarktungsfähigkeit des FC St. Pauli darstellt.

Das gilt es sich, gerade seitens der Vereinsoberen permanent in die Köpfe zu hämmern. Diese aktive Fanszene und kritische Äußerungen gehören untrennbar zusammen. Daher ist es ein Unding, gerade dieser Fanszene in ihre Darstellungsformen hineinreden zu wollen. Setzt das bitte nicht einseitig außer Kraft!

Weitere Passagen der Leitlinien passen nicht in diesen Kontext. Was aber klar geworden sein sollte ist, wer hier wider der selbt gegebenen Leitlinien handelt. Aus diesem Grund ist die jüngste Stellungnahme des Präsidiums eine Frechheit. Ständig die Leitlinien als Moralkeule gegen die eigenen Fans ins Feld zu führen und keine Ahnung zu haben, was da eigentlich drin steht, zeugt von ausgeprägter Ignoranz!

Und das bin ich leid!

In diesem Zusammenhang auch lesenswert: Meinungsfreiheit endet im Stadion da, wo der DFB anfängt – #FCSP am Scheideweg?

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Die Macht kommt von unten

Was bisher geschah:

Blogs:
Übersteiger Blog: 32. Spieltag (H) – Hansa Rostock
Magischer FC: ACABaB und die Zwei mit HumorGlaubt eigentlich irgendwer noch der Hamburger Morgenpost?Ääääähhhhmmmm, geh mal denken
Metalust: Der “Störer” ist vor allem die Polizei – trotzdem: Danke an die Mannschaft für 6 Punkte gegen Hansa!!!
KleinerTod: Rumstehterroristen – #FCSP nahezu ohne Hansa Rostock im Gefahrengebiet
Publikative.Org: St. Pauli vs. HRO: Police and ThievesGanz Sankt Pauli fragt die Polizei

Stellungnahmen:
FC St. Pauli: Gewalt verurteilt
Fanladen: Zum Spiel FC St. Pauli gegen den FC Hansa Rostock

Kommentarfunktion

Eine Aufarbeitung der Geschehnisse rund um den 32. Spieltag bzw. das Heimspiel des FC St. Pauli gegen den FC Hansa Rostock geschieht vielerorts und mit unterschiedlicher Akzentuierung. So Manches auf unzähligen Seiten Forum empfand ich als nachvollziehbar, manches als differenziert, in vielen Beiträgen fanden sich plausible Ansichten wieder. Selbst bei nur oberflächlicher Lektüre fällt auf, so viele komplette Fehlschüsse sind es gar nicht. Die scheinen sich, wie es stets zuverlässig der Fall ist, in den Kommentarspalten des Internetauftritts eines Hamburger Boulevardblattes zu finden. Ohne auch nur einen Blick darauf geworfen zu haben, ist die Stoßrichtung jener Kommentare ohne weiteres zu erahnen.

Guter Text, liebe selbsternannten Blogger,
nur wozu? Den Leuten vom Fach mal ins Gewissen reden, dass sie es doch besser wissen müssten? Tun sie wahrscheinlich zumindest in Ansätzen. Aber ihr wisst doch genau wie das läuft in den Redaktionen. Und ihr wisst genau, warum ein aus 3, 4, 5 lyrisch und journalistisch wenig wertvollen Mopo-Online-Kurztexten ein lyrisch und journalistisch ebenso wertloser Mopo(-Online)-Langtext zusammen gesetzt wird. Ihr kennt euch doch aus, nach unter anderem 12 Jahren Texte ins Internet setzen. Ihr haltet doch die ganze Zeit die Stange, weil ihr wisst, wie es läuft, weil ihr wisst, dass es eine große Leerstelle auszufüllen gibt, neben den Nachrichten in den Medien aller Couleur. Weil Fußballfans mehr interessiert, als dass Buttje Rosenfeld ein Tor geschossen hat, was ohnehin alle im Stadion oder Fernsehen gesehen haben. Weil ihr teilen wollt. Erfahrungen, Emotionen, Ansichten – und ihr werdet gelesen, weil sich Menschen dafür interessieren, weil sie den Austausch mögen, weil sie ähnliche oder abweichende Meinungen anderer Fans interessieren. Blogs sind doch im Prinzip die virtualisierte Form eines der wichtigsten Elemente beim Bier in der Kneipe nach dem Spiel oder bei der Zigarette auf der Arbeit vor dem Wochenende. Mit einem weit größeren Wirkradius als diese bezugsgruppenbezogenen Konversationen es je leisten könnten. Und doch ist es eine Minderheit, die sich für derart detaillierte, mitunter differenzierte und stets zutiefst subjektive Wahrnehmungen einer Wahrheit um ihren Verein interessiert. Charmanterweise ist die Quote der Quellen der für diesen Austausch nötigen Schreibenden gemessen an der Zielgruppe / den Lesenden, weit höher als beim Anderen.

Das Andere. Das sind die von euch oben angesprochenen. Die machen Meldungen für die Massen. Quote kommt vor Inhalt. Die Masse hat gar kein Interesse an Inhalten, wie ihr oder auch ich sie zu vermitteln versuchen. Die lesen Zeitungen, wie sie ins Stadion gehen: reines Konsumieren. Ja, ich werte hier. Ganz subjektiv versteht sich. Ohne eine Existenzberechtigung abzusprechen, denn die gibt es. Jedoch schweife ich ab.

Es sei sich nur einmal vorgestellt, alle Nachrichten entstünden ungefähr so, wie die im Fußballfankontext. Das lesen auch ganz viele Menschen, was sollen sie auch sonst machen. Und sie glauben das, finden es gut oder schlecht. Aber sie glauben es. Zumindest die Masse glaubt es. Sie soll es glauben, sie will es glauben, sie kann nicht anders als es zu glauben. Deswegen funktioniert das ganze System. Will sagen: Wir haben doch letzten Endes weit größere Probleme als die journalistische Qualität in Sportredaktionen. Und das schreibt ihr ja auch, und wenn man ehrlich ist, stehen die Dinge eben nicht auf der Agenda eines Sportjournalisten und gehören da im engeren Sinn auch nicht hin. Das können wir gut oder doof finden, ist aber erstmal so. Da werden irgendwelche Hanseln dafür bezahlt, massentaugliche Hetze über Dinge zu bringen, von denen sie nicht im Ansatz Ahnung haben. Brauchen sie auch nicht, denn sie sollen ja das schreiben was interessiert, was aufregt, was das Herz berührt. Immer streng normkonform und immer unter dem Dogma der hohen Auflage bzw. im Zeitalter neuer Medien möglichst vieler Klicks. Und den größten Gefallen tun wir ihnen auch noch, denn auch wir knüppeln uns den Scheiß rein. Im Wissen um eine andere Wahrheit schreiben wir dann unsere Pamphlete und lenken noch mehr Leute auf die Seiten derer. Streng genommen sind wir auch bloß eine Komponente im Boulevardapparat. Mopo – come in and find out, oder so…

Letzten Endes bleibt also ein wirklich schön geschriebener Blogtext, in dem wir uns alle wieder mal klar gemacht haben, dass:

-”wir” in der Minderheit sind
-die Medien so sind wie sie sind
-Zielgruppenorientierung in jedem Kontext das einzig wichtige Paradigma ist
-Sankt Pauli dreckig war, ist und irgendwelcher “Kriminellen” sei dank auch bleibt.

Herzlichst
ein dezent desillusioniertes Lichterkarussell
(Blogger, weder selbster- noch sogenannt, sondern einfach so)

Schreibe ich und erhalte prompt eine SMS, das solle ich mal in mein eigenes Blog packen, das sei zu gut, um in einer Kommentarspalte zu versauern. Nagut.

Nur wenn ich das tue, dann muss ich auch andere Punkte ansprechen, denn das ist kein Blogbeitrag, das ist bloß ein Kommentar. So viel also, als zu lange Einleitung, hoffe der Hauptteil wird kürzer.

Worüber müssen wir also sprechen? Ein Thema ist die mediale Aufarbeitung des Geschehenen, da haben sich die Kollegen vom MagischenFC schon zu genüge abgearbeitet und auch von meiner Seite ist in form der obigen Zeilen mehr als nötig zum Thema beigetragen.

Denn wir müssen über Repression sprechen

Es ist der Dauerbrenner unter Fußballfans. Die Repression, die ihnen allenthalben entgegenschlägt. In erster Instanz natürlich von der Staatsmacht, ferner werden aber auch Anstoßzeiten, Verbände, Vermarktung, Fernsehen, usw. als böse Einflüsse auf ihre Kultur perzipiert. De facto üben all jene genannten Akteure, Institutionen und Faktoren tatsächlich einen Einfluss auf den Profifußball aus und tangieren damit natürlich direkt oder indirekt die Fans und ihre Belange.

„Man muß aufhören, die Wirkungen der Macht immer negativ zu beschreiben, als ob sie nur ausschließen, unterdrücken, verdrängen, zensieren, abstrahieren, maskieren, verschleiern würde. In Wirklichkeit ist die Macht produktiv; und sie produziert Wirkliches. Sie produziert Gegenstandsbereiche und Wahrheitsrituale: das Individuum und seine Erkenntnis sind Ergebnisse dieser Produktion.“ (Foucault: Überwachen und Strafen 1977, 250)

Es ist mitnichten so, dass der böse Repressionsapparat die armen kleinen Fußballfreunde in der Auslebung ihrer Kultur hindert, vielmehr ist es der Produktionsapparat der Macht, der Fußballfans die Rahmenbedingungen ihres Handelns und Seins definieren lässt, oder anders gesagt, die Fußballfankultur, wie sie vor den bösen Einflüssen von außen zu verteidigen sei, gäbe es in der (zu  verteidigenden) Form gar nicht ohne diese Einflüsse. Wir tun gut daran uns nicht als Opfer eines Herrschaftsapparates zu sehen, dem wir uns machtlos gegenüber finden und gegen den wir mit unseren “Bullenschweine”-Transparenten nicht im Ansatz etwas auszurichten im Stande sind. Stattdessen sollte sich die Selbstwahrnehmung viel mehr dahin verändern, dass wir uns als Teil eines komplexen Apparates verstehen, in dem Milieus kreiert werden, Delinquenz produziert wird, in dem der Widerstand der einen Gruppe einen normativen Effekt auf eine andere Gruppe hat. Wir müssen beginnen uns jener vielschichtiger Verflechtungen bewusst zu werden.

Denn wir müssen über Macht sprechen

Macht ist nicht das, was ein Präsident oder Vorstand von Polizei, Fußballbund, Ligaverband, Verein, Fernsehsender, etc. in seiner Schreibtischschublade liegen hat und bei bedarf gegen die bösen Chaoten, Fußballfans, Autonomen, Störer, Krawallos, unbescholtene Bürger oder sonst irgendwen herausholt und einsetzt um seine Interessen durchzusetzen und dem letztgenannte im Umkehrschluss machtlos gegenüberstehen, ihr ausgesetzt sind. Wäre das so, hätte es nicht eine Revolution gegeben oder, um nicht ganz in die großen Zusammenhänge zu gehen, gäbe es z.B. keinen Ständigen Fanausschuss, der sich mit dem Präsidium unseres Vereins trifft.

„Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand. Und doch oder vielmehr deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb der Macht.“ (Foucault: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I 1983, 96)

Wenngleich Hannah Arendt einen etwas anderen Machtbegriff entwirft,

„Über Macht verfügt niemals ein Einzelner; sie ist im Besitz einer Gruppe und bleibt nur so lange existent, als die Gruppe zusammenhält” (Arendt: Macht und Gewalt)

tun wir nicht schlecht daran ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass ganz gleich wessen Machtbegriff der Realität mehr entspricht, wir keineswegs macht- und einflusslos vor schier unlösbaren Problemen stehen, wobei mir der übergeordnete Fußballkontext das größere Problem zu sein scheint, als eventuelle szeneinterne Probleme.

Denn wir müssen über Gewalt sprechen

Wir wissen alle, dass es Gewalt bei Sankt Pauli immer gab und ich bin es, genau wie viele andere sicherlich auch, leid ständig irgendwem erklären zu müssen, dass linke Gegenkultur, wie sie am Millerntor in den 1980ern Einzug gehalten hat, nie frei von Gewalt stattfindet. Es scheint mir aber ein weit verbreitetes Phänomen, die Vergangenheit verklärt wahrzunehmen, was irgendwelche Hirnforscher ja auch zu Hauf erklärt haben. Es scheint mir auch der allgemeine Zeitgeist zu sein, Entwicklung als etwas Rückständiges, wie Rückschrittiges zu begreifen. Das Bild der Mönche, die einen Schritt vor und zwei zurück machen und sich im Anschluss die Bibel vor die Rübe ballern (Monty Pythons: Die Ritter der Kokosnuss), trifft doch ziemlich gut, wie sich ein Großteil der Menschen – oder der Menschheit gar – verhält bzw. entwickelt.

Wenngleich ich genug Leute kenne, die, genau wie auch ich selbst, bestimmten Auswüchsen und Phänomenen in und um unsere Fanszene kritisch gegenüberstehen, ist es viel zu leicht und viel zu kurz gedacht, die Lösung dessen in Distanzierungen oder Ausschlüssen zu suchen. Viele Aspekte der angesprochenen Phänomene stehen grundsätzlichen Werten unserer Fanszene diametral gegenüber. Mackertum, Sexismus, etc. sind keine Seltenheiten. Das ist der Grund, weswegen von einem Problem gesprochen werden kann. Die Frage die sich stellt ist doch, wie und ob, wir einer Lage Herr werden können, deren Ursachen vielschichtiger nicht sein können. Die Soziologen in meinem Freundeskreis hantieren mit Begriffen wie “anomischer Druck”, “Bildungsferne”, “Gewaltdynamik”, etc.. Will sagen, wir besitzen viele tolle Theorien, über das was da passiert, nur patente Lösungsmodelle zu entwickeln, um jenem reaktionären Einfällen von Ausschluss und Distanzierung etwas entgegenzusetzen fällt zunehmend schwer, jedoch widersprechen jene reaktionären Verlautbarungen den Werten unserer Fanszene ebenso und sind nicht minder als Problem zu benennen.

An dieser Stelle komme ich nicht weiter. Ein handfestes Echo auf polizeiliche Eingriffe in die Freiheit der Menschen finde ich schwerlich zu verurteilen. Ein Angriff auf eine leere Kneipe kann ich als Dummheit verurteilen, nur kann ich sie von ersterem trennen? Welche Rolle habe ich als Blogger, welche wir als Fanszene in Bezug auf diese Entwicklung? Was können und wollen wir dulden, was finden wir sogar gut und wo hört der Spaß auf? Es ist schwer darauf Antworten zu finden. Gewissheit besteht für mich lediglich in dem Punkt, dass mir pauschale Verurteilungen irgendeiner Handlung doch etwas zu tumb sind – dafür unterhalte ich mich zu oft und zu gerne mit den Soziologen unter meinen Freunden.

Wir können feststellen, dass unsere Probleme die Probleme unserer Gesellschaft ist, wir können feststellen, dass Macht eine komplexe Angelegenheit ist, wir können eine Utopie haben, in der Gewalt zwar existent ist, aber minimiert sein sollte, wir können, kurzum, vieles, nur können wir nicht mit Populismus die Probleme einer Gesellschaft lösen. Das können wir genauso wenig, wie die Politik. Zumindest können wir das nicht alleine. Das einzig kompetente Kollektiv, fähig diese Sachverhalte aufzulösen, scheint mir die Gesellschaft selbst.

Und daher ist der Text von den Kollegen beim MagischenFC Blog vielleicht doch ein Stoß in die richtige Richtung, denn letzten Endes geht es um ein Bewusstwerden, um ein Bewusstmachen gesellschaftlicher Prozesse und da spielen gerade die Medien der Masse eine entscheidende Rolle. Der Text wird nichts verändern, ich bleibe dabei, er ist bloß Balsam für die interessierte Fanseele. Er benennt aber zweifelsohne zentrale Akteure und damit eventuell einen der Schlüssel, zur Entwirrung gesamtgesellschaftlicher Probleme, deren Auflösung ich in so weiter Ferne sehe, weswegen ich desillusioniert aber nicht resigniert verbleibe, denn:

„Die Macht kommt von unten,[...]“ (Foucault: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I 1983, 115)

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“Wir sind alle gefährlich”

Fundstück bei Indymedia:

An den Händen der Institutionen dieses Staates klebt mehr Blut, als die Summe aller Pflastersteine je wird vergossen haben können. Jene Hände haben mehr persönlichen Besitz vernichtet, als jemals durch zerbrochene Fensterscheiben wird vernichtet sein worden. Jene Hände haben die Freiheit der Menschen in größerem Maße eingeschränkt, als brennende Barrikaden und Sitzblockaden aller Zeiten es jemals könnten. Das moralische Dilemma besteht nicht auf Seiten derer, die für ihre Freiheit und die Freiheit ihrer Mitmenschen einstehen und dabei auch vor Methoden des zivilen Ungehorsams nicht zurückschrecken, sondern auf Seiten jener, die diesen Schurkenstaat legitimieren. Sei es durch die Partizipation an Wahlen, sei es durch Denunziation oder durch Wegsehen. Es ist an jedem freiheitsliebenden Menschen, welcher nicht unter jenem Joch leben will, ein deutliches Zeichen gegenüber denen zu setzen, die Dämonen beschwören, wo keine zu erwarten sind. Es gilt dieser Bevormundung, diesem Konterkarieren aller Errungenschaften und Werte der modernen Zivilisation, ein deutliches Zeichen entgegenzusetzen. Die Mittel eines Gandhis sind dabei ebenso legitim, wie die Mittel bekannt aus Gorleben. Lediglich zu Hause bleiben und nichts tun ist keine Option!

„Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“

Ich gehe spazieren – und du?

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Die ewig Gestrigen

Es hat sich einiges zugetragen in den letzten Tagen und einiges dessen kurz zu kommentieren bietet sich an.

Der Club der tötenden Dichter

“Die Sicherheit Israels zu schützen, ist Teil der Staatsraison Deutschlands” (Merkel, Angela – anlässlich des 70. Jahrestags der Pogromnacht)

Eine Einschätzung der Bundeskanzlerin, an der es weniger als nichts zu rütteln gibt. Aus der Erbschuld der Deutschen erwächst die Pflicht den Staat Israel zu schützen. Diese Pflicht, diese Schuld lastet, so lange es einen deutschen Staat gibt, solange sich Menschen als ein deutsches Volk verstehen, auf eben jenen. Günter Grass trägt nicht nur Erbschuld, er trägt direkte Schuld an den Verbrechen an Millionen Menschen. Nur erträgt er sie nicht und er tat es nie. All seine Auslassungen über die angeblich 6 Millionen liquidierten Deutschen in Kriegsgefangenschaft genau wie all die vergeudeten Verse seines jüngsten “Gedichtes”, also jene Weltkriegsprosa auf Sekundarstufenniveau, welche es gestern global in diverse große Tageszeitungen schaffte, sind nicht weniger als plumpe Opfer-Täter-Umkehr im ganz großen Maßstab. Günter Grass ist der Paradedeutsche, der meint, nach 70 Jahren müsse doch mal Schluss sein; dass das weder möglich noch wünschenswert ist, steht weiter oben.

Kritik ist im Allgemeinen kein Privileg derer, die weiße Westen tragen. Nein in meinen Augen dürfen auch Menschen mit deutscher “Herkunft”, wie Grass es so unschön verklausulierte, Kritik üben und das auch an israelischer Politik. Nur sollten all jene auf der Hut sein, die tief verwurzelte Ressentiments in sich tragen, denn schnell wird aus Kritik ein polemischer Auswurf und aus Polemik ein Spiegel der eigenen Ängste und Vorurteile. So sind Grass Auswürfe keine Kritik an Positionen, keine inhaltliche Debatte, sondern eine Abrechnung mit der eigenen Schuld, von der er sich so gerne lossagen würde, da er sie nicht ertragen kann. Es ist sekundärer Antisemitismus in Reinform. Günter Grass wird den Juden Auschwitz nie verzeihen. “Trag es, du Natter!” möchte man dem alten Mann entgegenschmettern, doch der fabuliert nun von gleichgeschalteter Presse, die ihn mit Nazimethoden missversteht und eine Kampagne gegen ihn fährt. Das macht er aber nach wie vor am besten selbst.

Lesenswerte Worte fand auch der Gesandte Emmanuel Nahshon:

Was gesagt werden muss ist, dass es zur europäischen Tradition gehört, die Juden vor dem Pessach-Fest des Ritualmords anzuklagen. Früher waren es christliche Kinder, deren Blut die Juden angeblich zur Herstellung der Mazzen verwendeten, heute ist es das iranische Volk, das der jüdische Staat angeblich auslöschen will.

Links zum Thema:
Israelische Botschaft: Der Gesandte zu Günter Grass; Netanyahu zu Grass
Publikative.org – Neues von der Waffen-SS; Beim Schälen der Kartoffel; Grass – der Sarrazin für Israelkritiker
FAZ: Was Grass uns sagen will; Grass sieht “Gleichschaltung der Meinung”; “Anständige Leute sollten die Aussagen verurteilen”
Tagesspiegel: Günter Grass – ein Kreis schließt sich; Ach Grass„Auch Deutsche unter den Opfern“
Welt: Günter Grass – Nicht ganz dicht, aber ein Dichter
AfterChangesWeAreMoreOrLessTheSame:  “…und es muß gesagt werden”

An dieser Stelle sei auf eine Veranstaltungsreihe in der Roten Flora hingewiesen:

The Voices of Germany – Zur Kritik des Antisemitismus von Links

Hass aus liberalem Hause?

Der FDP können nun tatsächlich viele Vorwürfe gemacht werden und auch ihr Freiheitsbegriff ist nicht gerade Deckungsgleich mit meinem, nur offene Hetze gehörte vom geistigen Bodennebels Jürgen Möllemanns einmal abgesehen, eher weniger zum Repertoire der Freiheitlichen. Nun aber trat Cornelia Drechsler aus der sächsischen Einöde auf die große Bühne des Internet. In ihrem überschwänglichen Mitteilungsbedürfnis hat die Kommunalpolitikerin ihrem Hass mittels eines Schreibens an Grünen-Politiker Volker Beck Luft gemacht und dem bekennenden (schlimm genug, dass man sich dazu bekennen muss/soll, anstatt es einfach sein zu können) Homosexuellen mal gesagt was sie von seinem vermeintlich widernatürlichen Lifestyle hält. Das ganze geschwängert mit “Überfremdungsangst” und sonstigen Ressentiments.

Doof, dass sowas in diesen Zeiten schnell in dieses verflixte Internet gelangt, so dass sich Frau Drechsler an die Wand gestellt fühlt und sich auf die freie Meinungsäußerung beruft.

Im Gespräch mit dem Berliner “Tagesspiegel” äußerte sich die Stadträtin erstaunt darüber, ”wie sehr sich Herr Beck durch eine harmlose Email bedroht fühlt und zur Hexenjagd bläst”.

Erstaunlich, wie sehr sich Frau Drechsler durch eine harmlose Berichterstattung bedroht fühlt und sich als Opfer einer Kampagne zu inszenieren sucht.

Zumindest die FDP weiß nun von zwei Leuten, die zwar als FDP-Fraktion antreten ohne Parteimitglieder zu sein. Bei der nächsten Wahl können Herr Schulze und Frau Drechsler ja für die Partei von Herrn Drechsler antreten: die NPD.

Auch hier bietet sich wieder ein Veranstaltungshinweis an:

Nazis sollen Nazimorde aufklären

Die rechtsextreme Partei kommt im sächsischen Landtag auf acht Abgeordnete. Somit haben für die drei NPD-Abgeordneten zehn bzw. 14 Abgeordnete der demokratischen Fraktionen gestimmt. Mehr als ein Dutzend Abgeordnete wünscht sich die NPD in einem Ausschuss, der sich der Aufklärung der NSU-Morde widmet.

Na klar, wer kennt sich sonst so gut auf diesem Gebiet aus…

Veranstaltungshinweis in diesem Zusammenhang: DIY

Eine Gefahr für Leib und Leben

Seien Rostocker auf Sankt Pauli, beschließt das Verwaltungsgericht. Der Verein geht eine Instanz weiter, Beim Magischen FC Blog steht alles nötige – und es lohnt sich, sich durch den trockenen Text zu wühlen.

Veranstaltungstipp hierzu:

DEMO auf ST. PAULI
“BLAU WEISS ROT GEGEN POLIZEILICHES KARTENVERBOT”
WANN: 22. April 2012 (Spieltag St. Pauli vs. Hansa)
WIE: Mit WET-Zug ab HRO
Abfahrt: 7.07 Rostock Hbf
WER: ALLE!!!! MACHT MOBIL!!

Es fahren Alle im Hansa-Trikot! Jeder Hansafan ist dazu aufgerufen, sich an dieser friedlichen Demonstration zu beteiligen. Es geht um VIEL!! Sagt jedem Fan Bescheid!

Sonst noch was?!

Interessanter Artikel zur Datei Gewalttäter Sport in der ZEIT

Dienstag etwas mehr Geld einstecken! SAVE MTZ RIPO!!

Ostersonntag Antirepressiva Soliparty im Goldenen Salon!

 

 

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SAVE MTZ: Spendenaktion beim Heimspiel gegen Union

Seit einiger Zeit rückt ein Fußballclub aus Weißrussland in den Focus hiesiger und anderer europäischer antifaschistischer Fankurven: MTZ Ripo. Es ist hinlänglich bekannt, welch schweren Stand antifaschistische Aktivist_innen im “Ostblock” haben und auch, wie sehr die Stadionstufen vieler Vereine jenseits der Oder von Rassisten besetzt sind. Relativ schnell dürfte also allen klar werden, bei diesem Verein aus Minsk handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um ein gallisches Dorf. Umso wichtiger ist es ihn zu erhalten. Dafür wurde bereits an vielen Stellen gesammelt und um so mehr freut es, dass dies nun auch beim FC St. Pauli geschehen soll:

SAVE MTZ RIPO – SPENDENSAMMLUNG BEIM UNION-HEIMSPIEL

+++ Verbreitet diesen Aufruf über alle Kanäle +++ Beim Heimspiel in die gelben Eimer spenden +++ Entwickelt eigene Ideen +++

Liebe Sankt Pauli Fans!

Eure Solidarität ist gefragt! Spendet für die Rettung des MTZ Ripo!

Der MTZ Ripo ist ein weißrussischer Fußballklub (seit 2009 offiziell Partizan) aus der Hauptstadt Minsk. In den vergangenen Jahren entwickelte sich dort eine antifaschistische Fankurve, die nicht nur einen Freiraum für fußballbegeisterte Jugendliche mit subkulturellem und politischen Hintergrund bot, sondern auch in ihrer Größe und ihrem Organisationsgrad eine absolut positive Ausnahme in einem repressiven, autoritären Staat darstellt und ein Unikum für den gesamten Ostblock ist.

Doch nun droht dem Verein das Aus! Und das wollen wir gemeinsam verhindern! Im Dezember 2011 gab der ehemalige Klubbesitzer  und Sponsor Vladimir Romanov seinen Ausstieg bekannt, die Suche nach einem Nachfolger verlief erfolglos. In der von Fans ins Leben gerufenen Rettungskampagne „SAVE MTZ“ (zu finden auf: http://savemtz.blogsport.eu ) wird nun Geld gesammelt, um den Verein retten und für den Spielbetrieb in der Zweiten Liga anmelden zu können. Dafür werden insgesamt 80.000 Euro benötigt (Registrierung in der Liga, laufende Kosten usw.), 10.000 bis zur Mitte dieses Monats. Daran wollen auch wir uns beteiligen!

Aus diesem Grund wird beim Spiel gegen Union Berlin in allen Stadionbereichen gesammelt und wir rufen euch auf, an der Spendenkampagne teilzunehmen! Unterstützt die Rettung des MTZ Ripo!

Es wird im Stadion Sammlungen an den Eingängen geben. Darüber hinaus werden in den verschiedenen Stadionbereichen gelbe Eimer an den Zaun gehängt, in die gespendet werden kann. Helft mit, diese Kampagne in den Tagen bis zum Spiel bekannt zu machen, so dass idealerweise jeder Fan bereits im Vorfeld weiß, was es mit er Aktion auf sich hat und sich beteiligen kann!

Unterstützt die antifaschistische Fans mit dem Blick auf die eigenen Wurzeln unserer Fanszene! Solidarität ist eine Waffe! Linke Fankultur in Minsk darf nicht sterben! SAVE MTZ RIPO!

Ultrà Sankt Pauli

Hintergrundinfos findet ihr unter anderem hier:

_ Interview in „BASCH“ #11
_ http://savemtz.blogsport.eu
_ http://partizan-minsk.blogspot.de/

Außerdem ist ein Paypal-Konto eingerichtet, auf das ihr ebenfalls Spendenbeträge einzahlen könnt: szymon666@poczta.onet.pl (bitte mit angeben „For MTZ“)

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Heute kleines Derby!

Alle hin da:

„Dem­nächst steht auch ein nicht ganz un­in­ter­es­san­tes Spiel für alle Sankt Pauli Fans an – und wir kön­nen da jede Un­ter­stüt­zung ge­brau­chen!“ Jörn Gross­kopf, der Trai­ner der zwei­ten Mann­schaft des FC St. Pauli, rief be­reits im No­vem­ber auf der letz­ten JHV alle Braun-​Wei­ßen dazu auf, die Ama­teu­re am Mil­l­ern­tor gegen die Zweit­ver­tre­tung der Rau­ten zu un­ter­stüt­zen. Nach zahl­rei­chen Ab­sa­gen und Ver­le­gun­gen ist es nun end­lich so­weit: Mitt­woch, 04. April FCSP II gegen hsv II – Ama­teur­der­by am Mil­l­ern­tor. An­ge­pfif­fen wird um 18Uhr, wir tref­fen uns be­reits um 16Uhr am Fan­la­den, um dann ge­mein­sam zum Sta­di­on zu gehen.
Die Stadt­meis­ter­schaft kann uns nicht mehr ge­nom­men wer­den, hel­fen wir der Zwei­ten die gran­dio­se Leis­tung der Pro­fis durch den Sieg im klei­nen Derby zu un­ter­strei­chen. Der Di­no­sau­ri­er wird immer trau­ri­ger!

Voran Sankt Pauli!

USP/Basch

 

 

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Praktisch Parataktisch.

Hauptsache Hauptsätze. 1 Punkt in Düsseldorf.

Fett, Freunde! Schön nach Düsseldorf, da gibt’s immer wat zu hol’n für Pauli! MONTAGS! Wie geil das wird. Bekomme eine Email. Ein Anruf: „Wie du hast doch keine Zeit?!“ Schade. Eine SMS: „Salmonellen.“ 2:37 Uhr. Mist schon der zweite April: „Wärest du doch vegan geblieben, Arsch. Gute Besserung!“ Fehlen also 2 “Alte und Gute”. Nun denn. Auf nach Düsseldorf. Aufm Montag. MONTAG! Mittagszeit. Scheiß Wetter. Abfahrt. Abend. Ankunft. Unspektakuläre Fahrt. Spiel. Wechselgesänge: „Scheiß Sport 1!“ 0:0. Zambrano hat wohl Speichel gezielt ausgeworfen. Ich finde das okay. Bekommt sicher eine Sperre. Das ist dumm. Das hätte er auch wissen müssen und deswegen spucken, wenn der Schiri nicht guckt. Aber er ist jung. Rösler kann man auch mal eine scheuern. Der ist mit Speichel schon ganz gut davon gekommen. Dann ein Nazi. Aufs Maul?! Nazi wird von Ordnern in Sicherheit gebracht. Bedrängnis? Ordner sprühen Pfeffer. „Wasser! Wir brauchen W-A-S-S-E-R!“ Rückfahrt. Gespräche über Kühe und Strandkörbe. Amüsant. I-Phone. Oha. HSVer nach Tankstellenraub festgehalten. Doof gelaufen. Oh! Aaah! Verwaltungsgericht weist Klage ab. Wette die vom Magischen FC prügeln schon angestrengt erste Gedanken in irgend ein Medium. So sind se. Zurück auf Pauli. 5 Uhr. Kacken. Schlafen.

Auch lesen: Momorulez mit zu viel Zeit. Ein Bericht über diese Nazi/Pfeffer-Geschichte.

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Der DFB ist so gut und so gerecht…

… wie er eben sein kann.

Arten von Gerechtigkeit

„In der gerechtigkeitstheoretischen Tradition des Aristotelismus unterscheidet man zwei Arten von Gerechtigkeit, die iustitia regulativa sive correctiva, in commutatibus directiva, und iustitia distributiva. Die iustitia directiva ist eine ausgleichende, eine entschädigende Gerechtigkeit; und je nachdem, ob die Ausgleichs- oder Entschädigungsverpflichtung einem Rechtsbruch oder einem Vertrag entspringt, nimmt die iustitia directiva die Gestalt einer iustita correctiva oder einer iustitia commutativa an; erstere umfaßt alle obligatores ex delictu, letztere alle obligatores ex contractu. Die ausgleichende Gerechtigkeit verlangt die Erfüllung von Schuldigkeitspflichten, officia debiti. Die Erfüllung einer Schuldigkeitspflicht macht ‚eine Verbindlichkeit, die da war, ungeschehen’. Schuldigkeiten sind ‚negative Größen’, vom Schuldner herbeigeführte und verantwortete Mängel, die durch entsprechende Leistungen auszugleichen sind. Unrecht ist im Lichte der iustitia directiva einer Gleichgewichtsstörung vergleichbar, die nach einer Restabilisierung verlangt. Kant hat für diesen Gerechtigkeitstyp darum auch die Folgende Formel gefunden: ‚- a + a = 0’(Kant, AA XIX, Refl. 6585)“[1]

Einer Verbandstrafe des DFB für den Kassenrollenwurf vom Heimspiel des FC St. Pauli gegen Eintracht Frankfurt liegt dementsprechend eine Vertragsverletzung zugrunde woraus obligatores ex contractu entstehen und die iustitia commutativa greift. Der DFB setzt dabei das Strafmaß mittels seiner eigenen Gerichtsbarkeit fest, der FC St. Pauli akzeptiert diese Gerichtsbarkeit, wie alle anderen Vereine, durch seine einvernehmliche Mitgliedschaft im Verband. Die Strafe – ganz gleich welcher Art und Schwere – ist also im Sinne der iustitia commutativa eine gerechte, da sie einer vertraglichen Vereinbarung entspringt. Das war’s. Wer das genauso sieht, kann hier aufhören zu lesen, wer 50.000 Euro für den unbeabsichtigten Wurf einer Kassenrolle für eine bodenlose Frechheit hält, lese weiter.

Gefühlte Ungerechtigkeit und Willkür

Es ist natürlich eine ziemlich einfache Sicht der Dinge, sich einzig auf Vertragsbestandteile zu berufen und Gerechtigkeit scheint dann doch etwas vielschichtiger zu sein, als dass sie sich derartig einfach vertraglich festlegen lasse; bzw. kann sich ein Urteil aller Rechtmäßigkeit zum Trotze ungerecht anfühlen. Im Zusammenhang mit den Strafen des DFB und dem Gefühl der Ungerechtigkeit wird an diversen Stellen gerne von Willkür gesprochen. Genau genommen sind Strafen per se willkürlich. Zwar kann diese Willkür durch die Relationen verschiedener Taten/Strafen-Komplexe zu- bzw. untereinander(!) abgefedert bis aufgelöst werden, gar den Anschein erwecken, es sei gerecht auf Tat 1 folge Strafe A, auf Tat 2 folge Strafe B und bei wiederholtem Auftreten von Tat 3 folge Strafe 3 gleich x-fach. Nur ist die Festsetzung einer Strafe X für Tat Y schon willkürlich, denn ganz gleich was die Tat war, sie wird weder ungeschehen gemacht noch ausgeglichen.

Dabei scheint das Bedürfnis des Menschen nach Gerechtigkeit und das Empfinden von Ungerechtigkeit sowohl Ursache für als auch Ergebnis von Strafhandlungen sein. Fühlt sich eine Autorität (wie der DFB) durch ein wie-auch-immer geartetes Ereignis in seiner Omnipotenz angegriffen, dürstet es ihn nach Ausgleich dieses Unrechts, welches er empfindet. Er straft um sich vom Gefühl der Ungerechtigkeit zu befreien. Das Objekt seiner Strafwut mag sich in der Folge ungerecht behandelt fühlen, doch die Autorität (wie der DFB) hat seine Ausgleichsleistung bekommen. Natürlich hat ein Kassenrollenwurf trotz allem stattgefunden und warum nun 50.000 Euro diese Tat entschädigen sollten, ist nicht rational begründbar. (Der DFB ist keine natürliche Person mit dessen Befindlichkeiten, der Vergleich hinkt also und dient lediglich der Veranschaulichung und es klärt sich auch im Folgenden…)

Wen trifft der Rechtsbruch?

Auf den ersten Blick erinnert das Beharren des DFB auf seine (vermeintlichen) hoheitlichen Ansprüche an das Verhalten eines mittelalterlichen Regenten, der Rechtsbrüche als Angriff auf seine Person wertet, da die Gesetze Ausdruck seiner (physischen) Macht sind; mit dem kleinen Unterschied, dass die Martern dieser Epoche das Ziel hatten, das begangene Verbrechen auf den Körper des Rechtsbrechers zu reproduzieren.

Wenngleich das etwas aus dem historischen Kontext gerissen ist, mutete es doch etwas ulkig an, warfen Herr Zwanziger oder Herr Niersbach wahlweise einen zwanzigjährigen Abiturienten oder das Präsidium unseres magischen FC zwecks Vergeltung mit einer Kassenrolle ab. (Fände ich persönlich ja weniger schlimm als 50.000 Euro zu zahlen und trotzdem heißt es die Strafpraktiken haben im Wandel der Zeit eine Humanisierung erfahren.)

Ich drifte ab und es ist auch nur der erste Blick, der einem diesen Vergleich aufdrängt. Es ist weniger der Rachdurst des DFB, der ihn zum Verhängen horrender Strafen antreibt, vielmehr ist es der normative Charakter des Strafrecht. Seit sich die Herrschaftsmacht von royalen Eliten auf das gesamte Volk als Souverän des Staates umverteilt hat, geht auch die Justiz nicht mehr von Verbrechen an den Regenten, wie etwa einem Parlament aus, sondern – gänzlich in Analogie zur früheren Zeit – von Verbrechen an den Inhabern der Macht: Allen. Auch der DFB straft demnach nicht aus persönlichen Animositäten (wie auch?) sondern als Institution der repräsentativen Vertretung seines „Volkes“, den Vereinen. Die Vereine ihrerseits sind letzten Endes nicht mehr oder weniger als die Summe ihrer Mitglieder und die rekrutieren sich in heutigen Zeiten (vor allem im Profibereich) weniger aus Sport treibenden sondern vor allem aus passiven, aus fördernden Mitgliedern: aus Fans!

Sinn und Zweck der Strafe

Weil moderne Erziehung so selten von großer Hoffnung beseelt ist, wird so selten ein großes Resultat erreicht. (Russel, Bertrand)

Jetzt, da wir in die Mikrostruktur der Opfer des Rechtsbruches vorgedrungen sind, können wir uns dem Sinn des Ganzen widmen. Wirft also ein Fan eine Kassenrolle, die sich nicht abrollt, dann sind letztendlich alle anderen Fans im Stadion Opfer seines Fehlverhaltens. Daraus folgt, dass wir alle unheimlich wütend und angepisst sein müssen, hat er doch gegen das Recht verstoßen, welchem wir uns einvernehmlich durch unsere (indirekte) Mitgliedschaft im DFB unterworfen haben. Wenn uns nun schon nicht die Aktion als solche ärgert – unerhörter Weise wurde der junge Delinquent ja von theoretischen Opfern seines Deliktes gedeckt – dann soll zumindest die Strafe uns treffen. Mit uns meine ich jetzt alle Fußballfans aller Vereine, sei die Verbindung zum jeweiligen Verein durch Mitgliedschaft oder ideelles Zugehörigkeitsgefühl begründet. Die Strafe trifft zwar nur den Delinquenten selber, der für den DFB in der abstrakten Figur des Vereins vertreten wird, doch sie entfaltet ihre disziplinierende Wirkung über alle Mitglieder der Gesellschaft. Die Strafe erzielt in dem Moment ihre normative Wirkung, in dem Fans/Vereine/Spieler – kurzum Mitglieder der Mikrogesellschaft des DFB – einerseits von Fehlverhalten absehen, andererseits der Notwendigkeit von Strafen zustimmen.  Es geht also nicht darum eine Zündellei, einen Kassenrollenwurf, einen Blocksturm, ein diffamierendes Spruchband zu sühnen, sondern es geht um Erziehung. Die Vereine sollen diszipliniert werden die Sicherheit zu gewährleisten, die Fans sollen diszipliniert werden sich „gesittet“, also entsprechend der Norm, zu verhalten.

Aber er hat sich doch entschuldigt?!

Nun mag dem entgegnet werden, man fände es ja grundsätzlich nicht falsch, Strafen zur Disziplinierung einzusetzen, aber im Fall des Kassenrollenwurfes handelte es sich doch um ein Versehen und der Täter habe Reue gezeigt, was ja auch der Vorsitz des DFB-Bundesgerichtes feststellt.

„Ein Teilausschluss der Zuschauer wurde deswegen nicht verhängt, weil die Tat ohne Gewalttätigkeit, ohne Aggression und ohne Schädigungsvorsatz in Richtung des Gegners oder der Schiedsrichter ausgeführt wurde.“

Es kann oder muss hier also, so absurd das erscheint, von Nachsicht gesprochen werden. Aus Sicht des DFB muss die Strafe eben eine hohe sein, nicht, weil, wie der Vorsitzende Eilers es sagt, Pirmin Schwegler am Kopf getroffen wurde, sondern weil es vorherige Würfe gab und die disziplinierende Wirkung der dort verhängten Strafen, sich offenbar nur bedingt ausfaltete. Der mangelnden Absicht, wird durch die ausbleibende Aussperrung Rechnung getragen, doch im Sinne der Disziplinierung muss die Strafe hoch sein, wenngleich auch mir das nicht zu gefallen vermag. Da hilft es leider auch nicht auf andere Urteile bei gezielten Würfen zu verweisen, der DFB verstrickt sich da in seine eigenen komischen Grundsätzen und letzten Endes müssen eben Wiederholungstaten entsprechend härter bestraft werden.

Konsequentes Handeln

Fordert man nun, der Verein müsse konsequent handeln und dürfe auch dieses Urteil nicht hinnehmen und vor ein ordentliches Gericht ziehen um dort den Verband zu verklagen, wird zwar die Ebene der Mikrogesellschaft DFB verlassen, nur folgt die Justiz der BRD der selben Struktur, wie die des DFB, womit diese Forderung als solche gewissermaßen inkonsequent ist. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass es hier einen punktuellen Erfolg zu verzeichnen gäbe, wirkliche Konsequenz sieht aber anders aus. Gerichtsurteile sind solange gerecht, solange sie die gesellschaftliche Legitimation erfahren. Erst, wenn nicht die Art und Schwere eines Urteils, sondern die Existenz von Urteilen als solche angeprangert werden; erst, wenn es keine Gerichtsurteile mehr gibt, kann kein Ungerechtigkeitsgefühl als Folge von Urteilen entstehen.

Der Kampf gilt nur vordergründig den Urteilen in ihrer Ausgestaltung – natürlich fühlt sich weniger immer besser an. Doch Kern des Problems ist, dass der DFB Gerichte hat und Recht spricht. Dieses Problem besteht, da wir die iustitia commutativa kennen. Diese Last werden wir wohl letzten Endes erst los, wenn wir die Revolution schaffen und Staaten endlich abgeschafft sind. Freie Fußballfans gibt es erst, wenn es freie Gesellschaften gibt. Und deswegen ist Fußball immer auch Politik. Ich weiß: Das ist jetzt zu einem kleinen Rundumschlag verkommen, nur ist das Echauffieren über bestimmte Ausdrücke eines Systems, dessen Teil man selbst ist, gewissermaßen geheuchelt. Da beisst sich die Katze in den Schwanz.

Also immer schön dran denken: Macht kommt von unten![2]

Die Zukunft des Menschen steht auf dem Spiel; sie ist gesichert, sobald nur genügend Menschen sich dieser Einsicht nicht verschließen. (Russel, Bertrand)

Siehe auch: Freiheit und Hass – Ein Etappensieg für die Fankultur


[1] Kersting, Wolfgang: Probleme der politischen Philosophie des Sozialstaats, S. 17.

[2] Dieser Text ist maßgeblich geprägt von Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Zitation dezidierter Textpassagen war mir weder möglich, noch schien sie mir sinnvoll.

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Freiheit und Hass

Ein Etappensieg für die Fankultur

Wenngleich unsere Mannschaft zuletzt nicht zu siegen im Stande war, hat der Verein FC St. Pauli von 1910 e.V. doch einen unendlich wichtigen Sieg erringen können. Einen Sieg, der über saisonale Zeitrechnungen hinaus höchst bedeutsam ist. Einen Sieg für uns, für die Fans. Sportal vermeldet soeben den Ausgang des neu aufgerollten Prozess vor dem DFB Sportgericht wegen des Kassenrollenwurfes vom Heimspiel gegen die Eintracht aus Frankfurt: Eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro.

Zwar ist das immer noch eine horrende Summe für eine Lappalie und bei den in der Quelle genannten 63.000 Euro Einnahmeverlust durch das vorherige, angefochtene Urteil nur eine geringe finanzielle Verbesserung der Straflast, womit das Urteil nachwievor eine Frechheit ist. Eine Frechheit war aber nun ja vom DFB zu erwarten, nur ist die geringe Verbesserung eben lediglich die finanzielle Perspektive. Das große Problem des möglichen Zuschauerausschluss war ja, dass willkürlich Fans ausgesperrt worden wären. Die Argumente wie z.B. Sippenhaft etc. sind zu genüge ausgetauscht und brauchen hier nicht wieder aufgewärmt werden. Wichtig ist jetzt, dass es für dieses Vorkommnis keine Sippenhaft für Fans unseres Vereins gibt.

An dieser Stelle ist es darüber hinaus zwingend notwendig das Präsidium unseres Vereines und alle anderen in diesen Fall involvierten Verantwortlichen ausdrücklich zu loben und ihnen zu danken. Lob und Dank gebührt ihnen für ihren Einsatz für die Fans. Es ist mehr als schön zu sehen, dass sich dieser Einsatz lohnt. Ganz offensichtlich wurde einerseits aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und hat andererseits der stete Dialog zwischen Fans und “Offiziellen” Früchte getragen.

Das Ergebnis des Rückgrates, welches unsere Vereinsvertreter hier bewiesen haben ist als wichtiger Meilenstein zu betrachten und ist doch (leider) nur ein Etappensieg. Wenngleich der DFB offenbar zumindest von Gästesperren abstand nimmt – wofür den Fans von Dynamo Dresden und Eintracht Frankfurt, die an den letzten zwei Wochenenden eindrucksvoll bewiesen, wie wenig Sinn derartige Aussperrungen machen, ausdrücklich Respekt und Anerkennung, eventuell auch Dank und Lob gebührt – gibt es nachwievor Demagogen und Sicherheitsfanatiker, die so etwas für praktikable Handlungsansätze halten.

Auch dem FC St. Pauli steht wieder so eine potentielle Gästesperre ins Haus, nicht als Strafe verhängt vom DFB, sondern, wie ein Autor in Basch #12 treffend schreibt, als Präventionsmaßnahme einer hilflosen, gar überforderten Polizei. Auch hiergegen haben unsere, beinahe zu kleinen ‘Enfants terribles’ gemauserten Vereinsoberen Einspruch eingelegt und füllen damit letzlich die hohle Werbephrase des anderen, unangepassten Bundesligaclubs endlich mit etwas Leben und Inhalt. Doch genau daher spreche ich von einem Etappensieg, denn erst wenn DFB, Polizei, Medien und auch die “normalen” Fans eingesehen haben, wie widersinnig Fanaussperrungen jeder Art sind, können wir davon sprechen einen echten Sieg für die Fankultur im Profifußball errungen zu haben.

Insofern gilt es sich jetzt auf ein ausverkauftes Millerntor gegen Union Berlin zu freuen und im Anschluss für ein ausverkauftes Millerntor gegen Hansa Rostock zu kämpfen, in dem nicht nur braun sondern auch blau mit weiß und rot in farbliche Komposition treten können wird.

Und so verbleibt mir nur mit dem Lieblingszitat eines guten Freundes abzuschließen:

Das Einzige, das größer ist, als unsere Liebe zur Freiheit, ist unser Hass auf diejenigen, die uns diese Freiheit nehmen wollen.

Link zur Meldung auf der Vereinshomepage